Bürgerkraftwerke für erneuerbarer Energien

2011: "Studie über Beteiligungsmodelle für Anlagen zur Nutzung erneuerbarer Energien im Wärme- und Strombereich": e3 consult hat für die Klima- und Energiemodellregion Landeck eine Studie über die Möglichkeiten der finanziellen Beteiligung der Bevölkerung an Anlagen zur Nutzung von erneuerbaren Energien erstellt.

Hintergrund

Die Unterstützung der Bevölkerung für den Ausbau der erneuerbaren Energien ist heute oft nur von theoretischer Natur und endet dann, wenn das erste konkrete Projekt vor der eigenen Haustür umgesetzt werden soll. Dieser Widerstand ist häufig darauf zurückzuführen, dass sich die BürgerInnen nicht in die Entscheidungen eingebunden fühlen, die sie direkt betreffen. Außerdem gibt es für die Betroffenen keine direkten positiven Effekte aus der Realisierung der Projekte in der eigenen Region. Die subjektiv negativen Auswirkungen auf Umwelt und Anwohner überwiegen letztlich. Die direkte finanzielle Beteiligung der betroffenen BürgerInnen an einem Projekt zur Nutzung erneuerbarer Energien stellt dabei eine mögliche Lösung zur Akzeptanzsteigerung in der Bevölkerung und damit letztendlich auch zur Projektrealisierung dar.

Die BürgerInnen werden durch die Beteiligung selbst zu (Mit-)Betreibern der Anlagen und sind daher unmittelbar eingebunden. Je größer dabei die Beeinträchtigung durch die geplante Anlage ist, desto wichtiger ist eine Einbindung der direkt Betroffenen. Ziel einer Bürgerbeteiligung muss es sein, den möglichen negativen Auswirkungen eines Projekts (insbesondere auf die Umwelt und das Landschaftsbild) nicht nur die „anonymen“ Vorteile einer regionalen Wertschöpfung und eines Beitrags zum Klimaschutz sondern auch einen „persönlichen“ Vorteil durch die Möglichkeit einer aktiven Mitbestimmung sowie einer Partizipation am finanziellen Erfolg gegenüberzustellen.

Innerhalb der vorliegenden Studie werden möglichen Rechts- und Beteiligungsformen für Gemeinden- und Bürgerbeteiligungen an Anlagen zur Nutzung erneuerbarer Energien beschrieben und bewertet sowie anhand einer Vielzahl im deutschen Sprachraum bereits realisierter Bürgerkraftwerke konkret vorgestellt. Die folgenden Rechts- und Beteiligungsformen werden dabei näher behandelt:

Rechtsformen für die Gesellschaftsgründung

  • Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GesbR)
  • Genossenschaft
  • Offene Gesellschaft (OG)
  • Kommanditgesellschaft (KG)
  • Sonderform: Gesellschaft mit beschränkter Haftung & Co Kommanditgesellschaft (GmbH und Co KG)
  • Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH)
  • Aktiengesellschaft (AG)

Möglichkeiten der Beteiligung an den Gesellschaften

  • Offene (direkte) Beteiligung
  • Stille Beteiligung
  • Atypisch stille Beteiligung
  • Beteiligungsähnliches Kapital
  • Beteiligung über eine Zwischengesellschaft

Weitere Schritte

Aufbauend auf den Ergebnissen der vorliegenden Studie erfolgt derzeit die Ausarbeitung eines Mustervertrages zur Umsetzung von Bürgerkraftwerken im "kleineren" Leistungsbereich für den Bezirk Landeck. Ziel ist dabei die Realisierung von zwei Anlagen zur Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien mit einer finanziellen Bürgerbeteiligung bis Ende 2014.

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